Goldener Nagel beim ADC Talent Award 2026 für HTW-Projekt „Ballot Ballet"
26. Juni 2026 – Beim ADC Talent Award 2026, dem Nachwuchswettbewerb des Art Directors Club für Deutschland (ADC), ist das Projekt Ballot Ballet mit einem Goldenen Nagel ausgezeichnet worden. Entwickelt wurde die Arbeit von den Kommunikationsdesign-Studierenden Felix Henke und Rosi Pernthaller an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin (HTW Berlin). Die Auszeichnung wurde im Rahmen der ADC Award Shows im Schuppen 52 in Hamburg verliehen. Prämiert wurde Ballot Ballet in der Kategorie Semesterarbeiten – Experiment / Communication Arts.
Ballot Ballet geht von einer einfachen, radikalen Versuchsanordnung aus: Was wäre, wenn jedes Jahr per Zufall eine einzige nationale Regierung bestimmt würde, um für zwölf Monate allein über Europa zu entscheiden? Die Europäische Union beruht auf Zusammenarbeit – in der Realität führen nationale Interessen jedoch häufig zu Blockaden, langwierigen Verhandlungen und Vetos. Die Installation übersetzt dieses Spannungsverhältnis in ein kinetisches Bild.
In einer Arena repräsentiert je ein identischer Roboter ein EU-Land: gleich schnell, gleich gebaut, ohne Ziel, ohne Ego. Die Maschinen folgen einer einzigen Regel – geradeaus fahren, bei Widerstand die Richtung wechseln. Jeder Roboter trägt einen Heliumballon mit dem Porträt einer Regierungschefin oder eines Regierungschefs. Trifft ein Roboter auf einen anderen, löst sich ein Ballon und steigt auf: Ein Land scheidet aus. Am Ende bleibt ein einziger Ballon zurück – der „Last Delegate". Die Zuschauenden erhalten zum Abschluss ein Dossier, das diese fiktive nächste EU-Regierung konkret einordnet und Vorschläge für Protest und zivilgesellschaftliche Intervention macht.
Die Jury würdigte Ballot Ballet als ästhetisch wie inhaltlich beeindruckende Semesterarbeit, die ihren Raum für das Experiment mutig und klar nutzt. Mit reduzierten Mitteln – Robotern, Heliumballons und White Space – inszeniere die Arbeit den metaphorischen „Tanz" zwischen nationalen und europäischen Interessen als Machtspiel der Elemente. Die Installation stelle die Frage, wie viel uns Demokratie und europäische Vielfalt wert sind und wie aktiv wir unsere politischen Möglichkeiten der Einmischung nutzen. Sie sei ein subtiler und zugleich klarer Aufruf zu mehr Zivilcourage, Meinungsbildung und Pro-Aktivität.
Entstanden ist Ballot Ballet im Hauptprojekt „Cinemirale 2025 - Cinema of Transgression" von Prof. Andreas Ingerl, Professor für Audiovisuelle Medien im Studiengang Kommunikationsdesign der HTW Berlin. Entwickelt wurde die Arbeit für das Ars Electronica Festival 2025 im Rahmen der Initiative „Flood the Zone with Courage", die kurze performative Beiträge zu politischen und gesellschaftlichen Themen suchte, und dort im September 2025 in Linz uraufgeführt.